Interview mit Vorga

Vorga ist eine recht frische Band in der deutschen BM Szene, die mit ihrem gitarrenbasierten BM bereits sehr positiv überraschen konnten. Ich hab die Band rein zu fällig über YouTube entdeckt und sofort hat mich das erst vor kurzem erschienene Album „Strifing Towards Oblivion“ in seinen Bann gezogen, weshalb ich die Band wegen eines Interviews anfragte. Hier nun das Resultat.

Mjöllnir: Erstmal Dankeschön, dass ihr dem Seelenfeuer Webzine für ein Interview zur Verfügung stehen wollt! Lass uns mit den Beweggründen für die Gründung von Vorga beginnen. Wie kam es zur Geburt von Vorga? Worin liegen die musikalischen Einflüssen? Was bedeutet der Bandname?

Wir haben zu danken. Vorga erblickte ca. 2016 das Leben als Bandgründer Atlas (Gitarre) seine Kreativität und Liebe zu Musik selbst in Metal packen wollte. Durch den Umzug von Großbritanien nach Deutschland/Karlsruhe nahm die Band Formen an und so war der Grundstein gelegt. Die Einflüsse sind so unterschiedlich wie die einzelnen Bandmitglieder selbst. Diese reichen von Heavy Metal bis zu (modernem) Black Metal, einzelne Bands die einen großen Einfluss hatten sind Samael, Dissection, Emperor, Arcturus, Iron Maiden… Der Bandname entstammt aus dem Roman „The Stars my Destination“ von Alfred Bester. Die „Vorga“ ist ein Raumschiff in dieser Geschichte…was sehr passend zu unserem „Sci-Fi/Weltraum-Konzept“ ist.

Mjöllnir: Vor einigen Wochen ist euer erstes Album „Striving Towards Oblivion“ erschienen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Transcending Obscurity Records, immerhin ist das Label in Indien beiheimatet. Worum geht es in Texten des Albums?

TOR wurde auf uns aufmerksam durch die Debut-EP „Radiant Gloom“. Kunal, dem Labelchef, gefielt unsere Art des Black Metal und so ergatterten wir einen Deal. TOR beheimatet Band aus der ganzen Welt und in Zeiten von Internet und globalen Vernetzungen ist es kein Nachteil, wenn das Label weiter weg ist. Im Gegenteil…TOR haben ein gutes Standing im Underground, einige tolle Kooperationen und stehen für qualitativ starke Produkte. Wir sind mit der Aufmachung unserer Scheibe und dem Merch sehr zufrieden. Die Texte der CD beinhalten ganz allgemein die Nichtigkeit und die Frage nach der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz in der Größe des Kosmos. Einsamkeit, Angst, Misanthropie und Tod sind die weiteren allgemeinen Grundlagen der Texte.

Mjöllnir: Manche Band ist im Nachhinein mit der Veröffentlichung aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zufrieden, weshalb ein Album z.B. komplett neu aufgenommen wird. Wie zufrieden seit ihr mit Euren Album bzw. wie waren die Reaktionen bisher darauf? Würde ihr am Album noch was im Nachhinein ändern?

Das stimmt, das gibt es und ist aber m.E. die falsche Herangehensweise. Klar, wenn Du kurz nach der Aufnahme merkst, das etwas nicht passt sollte es das Ziel sein, das zu ändern. Ein Album stellt aber immer eine Momentaufnahme dar. Und dann nach Monaten oder Jahren was ändern zu wollen macht keinen Sinn, da die Scheibe eben den Spirit von der entsprechenden Zeit einfängt, in dem es aufgenommen wurde. Und das ist eine Kombination aus dem spielerischen Können, den technischen Möglichkeiten, dem Gemütszustand, den damaligen Aufnahmemöglichkeiten etc. Und so klingt dann das Album eben auch. Einige meiner Lieblingsalben (Samael – Ceremony of Opposites, Dissection – Storm of the Lights Bane, Immolation – Close to a World Below, Emperor – In the Nightside Eclipse) sind weit davon weg, was man allgemein unter einer „guten Produktion“ versteht. Die Alben fangen aber eine gewisse Atmosphäre ein, was sie zu Klassikern macht.

Ich für mich kann auch nach fast 3 Jahren sagen, dass ich kaum etwas an STO ändern würde. Und das, was ich andes machen würde, ist dann nur ein kleiner Teil des Ganzen. Alle in der Band sind von daher voll zufrieden mit der Platte und sehr stolz auf das Werk. Die Reaktionen bisher sind auch wirklich fantastisch, fast schon überschwänglich. Wir waren vor der Veröffentlichung sicher, dass wir ein ordentliches und starkes Album am Start haben, dass es aber so durch die Decke geht von den Rezessionen, hat uns dann doch überrascht. 

Mjöllnir: Interessant finde ich auch die Frage wie ein Song oder eine Veröffentlichung entsteht. Gibt es bei Vorga jemand, der beim Songwritingprozess die Zügel in der Hand hat, oder bringen sich die einzelnen Mitglieder zu gleichen Teilen ein?

Das Songwriting kommt aus einem Guss von Atlas, was dem Ganzen einen roten Faden verleiht. Einrbingen kann und tut sich dann jeder nachdem ein Demosong fertig ist bezgl. der Feinheiten was Drums, Gesangsarrangements etc. angeht. Da wird dann auch ausprobiert und besprochen, womit jeder am besten Leben kann und was am besten gefällt. Das Grundgerüst ist aber im Vorfeld gegeben, was sehr hilfreich, effektiv und effizient ist. Im Prinzip gibt es ja nur zwei Varianten, Bands, bei denen sich mehrere Leute am Schreibprozess beteiligen (wie Iron Maiden) und Bands, wo 1-2 Leute das Heft in der Hand haben (z. Bsp. Paradise Lost). Wir fahren sehr gut mit unserer Variante, das Atlas das Grundgerüst hier im Vorfeld legt.

 

Mjöllnir: Vorga präsentiert sich auch gerne auf der Bühne. Wie waren die letzen beiden Jahre während der Corona-Pandemie für Euch persönlich und natürlich auch als Band?

Wie für jede Band war es auch für uns anstrengend. Teilweise waren ja Proben nicht mal möglich, Konzerte fanden gar nicht erst statt. Zwischen März 2020 und März 2022 hatten wir immerhin das Glück, 3 Konzerte spielen zu können, die meisten Bands konnten in diese Zeit gar nichts machen. Zumal die Nichtveröffentlichung des bereits aufgenommenen Albums viel frustrierender war und lange auf Eis lag auf Grund von Corona. Persönlich war es für jeden für uns eine Herausforderung, mit Arbeit, Familie und Musik. Wie alle sind wir glücklich darüber, dass die Zeichen auf „Besserung“ stehen und die Musik und Kunst aus den Löchern wieder hervorkommt und wieder mehr in den Fokus bei den Menschen rückt.

Mjöllnir: Da wir gerade beim Thema sind, in naher Zukunft dürften bestimmt einige Konzerte bei Euch anstehen um das Album zu promoten. Wie wichtig sind deshalb Konzerte für Euch als noch recht unbekannte Band?

Konzerte sind immer wichtig um Leute zu erreichen. Das Internet mag ein Segen sein, um sich einfach zu vernetzen und auch Marketing zu betreiben. Nichts kann aber ein Liveerlebnis ersetzen, weder für den Hörer noch für einen Musiker. Von daher bleibt es das Ziel der Band, live präsent zu sein. Mit den fantastischen „Maahes“ haben wir bereits einige Konzerte gespielt und auch künftige geplant, insb. Richtung Jahresende. In der Mitte des Jahres ist in trockenen Tüchern, dass wir auf dem Mahlstrom Open-Air spielen. Es kommen nach und nach sicher noch ein paar neue Auftritte dazu. Die vergangenen Konzerte liefen gut, verbessern uns als Musiker und Band und machen Lust auf mehr.

 

Mjöllnir: Viele Bands nutzen heutzutage soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram um ihre Veröffentlichungen anzubieten. Die Vorteile liegen natürlich hier auf der Hand. Wie steht ihr dazu braucht es unbedingt eine Präsenz bei FB?

Auch wenn FB schon oft der Tod vorausgesagt wurde bleibt es das führende Medium im Social-Media-Bereich. Da wir auf allen Kanälen breit aufgestellt sein wollen, sehen wir FB als zwingendes Medium an, um die Musik und die Band weiter einem breiten Publikum aus dem Metalbereich zugänglich zu machen.

Mjöllnir: „Striving Towards Oblivion“ ist ja erst seit einigen Wochen draußen und dennoch haben sich bestimmt je neue Songideen bei Euch angehäuft, weshalb sich die Frage, ob ihr bereits an einer neuen Veröffentlichung arbeitet?

Tatsächlich gibt es mehr Songs als aufgenommen werden können, Atlas ist da sehr produktiv. Und wie erwähnt, sind die Aufnahmen seit drei Jahren schon abgeschlossen. Es existieren ca. 15 bis 20 Titel, teilweise auch noch aus der Radiant Gloom-Zeit. Für das kommende Album ist geplant, etwa die Hälfte davon aufzunehmen. Alles was ich im Moment dazu sagen kann ist, dass es „klassischer“ Vorga-Stoff sein wird, mit dem Ziel, von dem Arrangements, der Produktion, sowie „Feinheiten“ nochmals einen Schritt nach vorne zu machen und die Atmosphäre und Melodien noch packender zu gestalten. Seid gespannt, ich bin sicher, dass niemand enttäuscht sein wird, dem Vorga bisher gefallen haben. Eine realistische Veröffentlichung dürfte im ersten Halbjahr 2023 sein. Wobei wir gelernt haben durch STO, dass vieles nicht in der eigenen Hand liegt, was einen konkretern Veröffentlichungszeitraum angeht.

 

Mjöllnir: Einige von Euch sind noch bzw. waren aktiv in anderen Bands oder Projekten, deshalb meine Frage welchen Stellenwert nimmt Vorga für den Einzelnen ein?

Für mich kann ich sagen, dass Vorga die proffesionellste Band ist, in der ich bisher arbeiten konnte. Das Miteinander ist entspannt und es ist grossartig mit Leuten zu arbeiten, die musikalisch und persönlich auf einer Wellenlänge liegen. Klar, ein Vergleich ist auch schwer bzgl. Bands, in denen man vor 20 Jahren beteiligt war, da die Möglichkeiten damals nicht so gegeben waren mit Hinblick auf Internet etc., um etwa auf sich aufmerksam zu machen. Zudem nutzen wir live ganz anders Equipment als bei unseren alten Bands, etwas Klick und Samples um die Lieder  möglichst nahe an den CD-Klang zu bringen. Zwei von uns sind noch in weiteren Bands aktiv, (Azaghal- Henbane, Пешо Спейса -Vrani Volosa,) aber Vorga genießt bei allen die Priorität, was sich schon aus der räumlichen Nähe aller Mitglieder zueinander ergibt. So sind regelmäßige Proben möglich, was ein wichtiger Bestandteil der Zusammengehörigkeit ist.

 

Mjöllnir: Wie beurteilt ihr die deutsche BM Szene im Vergleich zur internationalen BM Szene?

Ich denke, dass die deutsche/deutschsprachige Szene sich nie hinter der internationalen Szene verstecken musste und auch heute immer noch mit vorne dabei ist. Eine meiner liebsten Klassikerscheiben bzw. Neuentdeckungen (Dornenreich – Bitter ist dem Tod zu dienen, Summoning – Minas Morgul, die letzte Falkenbach-Scheibe, Maahes -Reincarnation, Shrine of Insanabilis – Disciples of the Void etc.) kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Im Endeffekt ist es mir aber gleich, woher eine Band kommt. Die Musik bzw. das Gesamtpaket muss gut sein, dann ist mir die Nationalität recht einerlei. Wir sind ja selbst „international“ bzgl. der Nationalitäten der Mitglieder.

 

Mjöllnir: Zum Abschluss noch ein paar Begriffe , welche ihr kommentieren könnt:

Festival oder kleines gemütliches Konzert:

Für mich generell beides. Früher eher Festivals, da es wie ein kleiner Urlaub war. Heute mit weniger privaten Zeit eher mal ein kleines Konzert, bei dem man sich mehr und detailierter auf die entspr. Bands konzentrieren und ggf. auch was neues entdecken kann. Die anderen Jungs sind da breiter aufgestellt und nutzen auch die Möglichkeit, große Festivals zu beackern.

Bier oder Wein:

Generell auch beides. Atlas und ich stellen selbst Wein her, daher die Tendez eher zum zweiten, auch wenn das Proberaum- und Konzertgetränk eher ein Bier ist.

Vorband von Mayhem oder Marduk:

Puh, ich war nie ein Fan beider Bands. Vom heutigen visuellen Aspekt und musikalisch nehme ich dann Mayhem, denke, da würden wir besser rein passen als zu Marduk. Um beim M zu bleiben….mit Maahes funktioniert das wunderbar, sie sind unsere Nr. 1 um zusammen live zu spielen.

 

Mjöllnir: Ich überlasse Euch gerne die letzten Worte!

Danke für Dein Interesse an der Band und die interessanten Fragen. Danke an alle, die Vorga in den letzten Jahren unterstützt haben. Das sind insbesondere die Leute, welche die Bands durch Albenkauf und Klubs durch Konzertbesuche unterstützen. Dann natürlich noch Kunal von TOR, Patrick von den TidalWave-Studios für die Schlagzeugaufname, Simon von den Black Art Audio-Studio für den fantatischen Mix und alle, die sich mit diverse Aktivitäten am gelingen unseres Albums, dem Video (Comet) und allem beteiligt haben. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, um die Band weiter voran zu treiben.

Rezension: https://seelenfeuer666.wordpress.com/2022/04/12/rezension-vorga-striving-toward-oblivion-transcending-obscurity-records-2022/

Interview By Mjöllnir/ Seelenfeuer 2022

Photos By Vorga

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