Besprechung: CHOTZÄ – Plump u Primitiv [10 Jahr Furchtbar] (Folter Records, 2021)

Ich war wirklich gespannt auf die Neueinspielung des relativ rauen Debüts „Plump u Primitiv“ (der Name ist hier Programm) aus dem Jahre 2014. Erschienen war es damals jeweils nur in einer hunderter Auflage als CD bei BMTC Records und als Kassette bei Narbentage Produktionen. Heutzutage eine gesuchte Rarität, hatte ich vor einiger Zeit noch das Glück, eines Exemplars der Kassettenversion habhaft zu werden.

Chotzä (zu Hochdeutsch: „kotzen“…) sind waschechte Eidgenossen und haben eine wirklich mitreißende Art zu spielen. Diese verkommene Bande aus der Hauptstadt Bern zelebriert seit ihrer Gründung im Jahre 2011 ihre ureigene Version des Black ’n Roll. Lyrisch wird das Ganze von Anbeginn an konsequent in Schweizer Mundart, dem Schwyzerdütsch, vorgetragen. Das dritte und bis dato aktuelle Album „Tüüfuswärk“ (2020) liegt noch gar nicht so lange zurück, da entschied sich die Truppe aufgrund der Beschränkungen durch die allseits bekannte Pandemie und der damit einhergehenden Konzertverbote, ihrem Debütalbum einen neuen Anstrich zu verpassen. Diesmal trägt es als Zusatz den Untertitel „10 Jahr Furchtbar“.

Kurz und knackig gestaltet sich der Einstieg mit „Hass Musig“. Schon hier fällt die extrem gute und transparente Produktion auf. Alle Instrumente sind hierbei gut austariert und tönen gleichberechtigt neben- bzw. miteinander. Um mich einmal der derb humoristischen Lyrik von Chotzä anzunähern, würde ich das Eröffnungsstück als akustischen Quickie bezeichnen. Es ist schnell, heftig, bringt einen in Stimmung, ist aber ebenso schnell wieder vorüber. Ohne großartige Verschnaufpause schließt sich das Titelstück an, welches mittelschnell und eingängig aus den Boxen dröhnt. Die Fußmaschine des Schlagzeugers weiß speziell im Kehrreim starke Akzente zu setzen.

„Todfiggä“, ich sagte ja bereits dass Chotzä kein Blatt vor den Mund nehmen, überzeugt mit eingängigem Black ’n Roll und dem zumindest teilweise recht gut zu verstehenden Text. Mehr sage ich an dieser Stelle nicht, hört also einfach selbst. „Jesus vo Na(arsch)zareth“ (diese Titel… ich könnte mich pausenlos in die Ecke schmeißen vor Lachen…, aber dann bekomme ich diese Rezension nicht fertig, deshalb also weiter im Text…) behandelt auf extrem sarkastische Art und Weise Chotäs Sicht auf einen gewissen Zimmermann, welcher von Millionen von Menschen blind verehrt wird, allein aufgrund der Annahme, man könne durch ein schlichtes Gebet zu ihm von Schuld und Sünden erlöst werden. Sehr sympathischer Text und abermals eingängiges Lied.

„Kabutt“ stellt sich als assig und schnell dar. Diese Gruppe ist mit diesem Liedtitel gleichzusetzen und das bereitet mir unheimlichen Spaß. „Schliimschiisä“, was auch immer das bedeuten mag, lebt vom Wechsel aus langsamen und schnellen Teilen und ist von der Instrumentierung her etwas technischer und erinnert von den Gitarrenriffs und den bereits erwähnten Tempowechseln ein ums andere mal an Mayhem, die norwegischen Urgesteine des Schwarzmetall.

Mit „D‘ Eva Mitem Chuchimässer“ [sic] wurde einst das Album beendet. Auch dieses Stück erweist sich als eingängig und von Brachialhumor durchzogen. Kommt mir dieser Eva lieber nicht zu nahe, denn das könnte sich auf den Fortbestand Eures Lebens negativ auswirken. Ich empfehle dem geneigten Hörer stattdessen die akustische Präferenz in Form von unerwarteten Tempowechseln samt Gitarrensolo zum Ende hin.

Einen zusätzlichen Kaufanreiz für zu spät Gekommene bieten die beiden Bonuslieder. Zum einen wäre da „Schtumpf isch Trumpf“, mittelschnell und mit tollem Gitarrensolo in der Mitte des Stücks. Zum Schluss hin kommt es richtig beschwingt daher. Einen Kontrapunkt zum bisher Gehörten setzt das Schlusslied „Wäuschä Wii“. Eingeleitet durch eine unverzerrte Gitarre, nimmt der Black ’n Roll im Kehrreim langsam an Fahrt auf, nur um kurz darauf in ein absolutes Knüppelinferno auszubrechen. Auch hier lässt man sich nicht lumpen und präsentiert ein Gitarrensolo. Dieses Lied lebt von zahlreichen Stimmungswechseln und wäre auf den mitreißenden Konzerten dieser Gruppe der perfekte Rausschmeißer.

Chotzä sind eine überaus sympathische Truppe, welche aber bedauerlicherweise in dieser Besetzung nicht mehr existiert. Übrig geblieben sind der Sänger Szivilizs, bekannt auch durch zahlreiche Nebenprojekte und durch sein malerisches Talent und der Gitarrero Raven Dust. Aber jedes Ende ist ein Neuanfang. Guete Musig, Chotzä.

Ich bin begeistert, da ich Neueinspielungen prinzipiell kritisch gegenüber stehe, aber diese hier ist absolut gelungen und wertet das bereits vorhandene Material extrem auf. Erhältlich ist die Scheibe in zahlreichen Shops, da die Vertragsunterzeichnung bei den renommierten Folter Records aus Berlin ihnen mehr Reichweite und Vertriebsmöglichkeit gibt. Kaufen, hören und Spaß haben. Ja, sogar Black Metal darf Spaß machen. Die Szenepolizei bitte ich mir diese Bemerkung nachzusehen. Und wenn doch nicht? Das „Chuchimässer“ ist geschärft.

Bewertung

Entfällt, da es Neueinspielung bereits bekannten Materials ist.

Yggdrasil / Seelenfeuer 2021

Besetzung

Szivilizs: Ds Gschrei

Gruäbähung: Ds Gwichs

Raven Dust: Ds Gschreddr

Näbugring: Ds Dröhnä

Cpt. Cunt: Ds Knüppu

Hörbeispiel

Titelliste

1.) Hass Musig

2.) Plump u Primitiv

3.) Todfiggä

4.) Jesus vo Na(arsch)zareth

5.) Kabutt

6.) Schliimschiisä

7.) D‘ Eva Mitem Chuchimässer

8.) Schtumpf isch Trumpf [Bonus]

9.) Wäuschä Wii“ [Bonus]

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