Interview mit Kreuziger

Erstmal ein Dankeschön, das ihr euch Zeit genommen habt um uns ein paar Fragen zu beantworten. Die erste Frage, die viele sich stellen dürften, ist wie es zur Gründung von Kreuziger kam? Wo seht ihr eure musikalischen Einflüsse?

Heil Dir, und danke für das Interesse an Kreuziger. Die Band wurde 2013 unter dem Namen „Stench of Afterbirth“ von Sargulr (Gitarre) und Feindhammer (Drums) gegründet, ich (Necro Nickel, Bass und Gesang) stieß erst Ende 2014 dazu. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Schlagzeuger und evtl. zweiten Gitarristen zur Reaktivierung meiner alten Death Metal-Band „Moder“. Dann kam es jedoch ganz anders und ich stieg bei den Jungs als Basser und zweiter Sänger ein.
Die ersten Lieder entstanden, als Sargulr gerade erst von Bass auf Gitarre gewechselt ist und waren entsprechend noch recht simpel, ungefähr wie alte Darkthrone oder Bathory („Human Hunting“ vom ersten Demo und der Split stammt aus der Zeit). Das hat sich allerdings schnell geändert, auch durch die Verbesserung von Sargulr´s Fähigkeiten.
Die Einflüsse sind mittlerweile sehr vielfältig, aber größtenteils sind wir von klassischem, rohen Black Metal beeinflußt, hier und da vielleicht noch etwas Death Metal und sicher auch Depressive BM, Heavy Metal, Folk…ohne daß es jedoch zu deutlich wird. Oft haben wir gehört, daß wir nach altem deutschen Black Metal klingen, wie z.B. Ungod, Eternity, Wolfsmond, Zarathustra usw.; da mag durchaus was dran sein.

Viele Bands veröffentlichen meist eine Vielzahl von Demos um so Kontakt zu Labels zu bekommen. Ihr hattet Glück und Euer erster Beitrag war die Teilnahme an der Split mit Krematorium und Nardes III. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sturmglanz?

Das hatten wir auch vor, so sollte es normalerweise ablaufen. Dann las ich jedoch im Höllentanz Fanzine (Gruß an dieser Stelle) ein Interview mit Krematorium, in dem Blutstahl davon sprach, eine Band für eine gemeinsame Split zu suchen. Ich habe ihn also angeschrieben und ihm ein Rehearsal Tape geschickt, er uns seine CD und nach intensivem Genuß der jeweiligen Aufnahmen kamen wir überein, eine gemeinsame CD zu machen. Den Kontakt mit Sturmglanz hat Blutstahl aufgenommen.
Die Demo-Phase haben wir dann nach der Split nachgeholt.

2017 und 2019 entstanden 2 Demos. Wie waren die Reaktionen auf die Veröffentlichungen? Gibt es Dinge, die ihr im Nachhinein ändern würdet?

Eher so mittelmäßig. Die meisten Reviews lasen sich wie „nicht schlecht, aber nichts herausragendes“, was objektiv wohl auch so ist. Der räudige Sound wurde natürlich hier und da bemängelt. Die Verbreitung der Demos lief anfangs scheiße, da das erste Demo „Fesseln der Verdichtung“ nur auf Kassette rauskam und es nicht mehr ganz so einfach ist, für Demotapes einen vernünftigen Vertrieb zu bekommen. Bei unserem zweiten Demo „Der Wald der Gehenkten“ kam zuerst die CD raus (die Kassette mit starker Verspätung, da das Paket mit unseren Kopien mehrere Monate im Zoll festhing) und voilà, auf einmal werden wir die Dinger los. Auch unser englisches Label (Demented Omen of Masochism) hat „Der Wald der Gehenkten“ gut unter die Leute gebracht (gerade in Osteuropa) und dank der völlig übertriebenen Auflage von 500 Stück kann man das gute Stück auch problemlos überall bekommen.

Ändern würden wir eigentlich nichts, auch wenn der Sound vom „Wald der Gehenkten“ nicht ganz so schlecht geplant war; es gab ein paar kleine Probleme bei der Digitalisierung der Vierspuraufnahmen. Ist aber auch egal, der Klang ist absolut passend.
Für unser erstes Album werden wir ins Studio gehen und hätten es sicher bereut, die Lieder nicht vorher mit Kellersound unter die Leute gebracht zu haben. Für diese Art von Black Metal ist das obligatorisch.

Zwischen der letzten Veröffentlichung liegen jetzt auch schon wieder 2 Jahre, weshalb sich die Frage aufdrängt, ob es bereits neues Material gibt? Wenn ja wird sich was ändern oder bleibt ihr konventionell und steht Neuerungen kritisch gegenüber?

Ja, das gibt es in der Tat. Wir haben schon genug Material für ein zweites Album geschrieben (es fehlen nur noch ein paar Textpassagen und der letzte Feinschliff), was sich von unseren alten Liedern zum Teil stark unterscheidet. Die neuen Lieder sind länger und teilweise komplexer. Erst einmal müssen wir allerdings unser erstes Album aufnehmen, was eine Art „Best of“ der Demos plus zwei, drei bisher nicht aufgenommene Lieder sein wird. Wir wollen die alten Songs professionell aufnehmen, um mit der Anfangsphase der Band abzuschließen und sie nicht mit den neueren Sachen zu vermischen. Wenn ich so drüber nachdenke, haben wir gar nicht so viel Material geschrieben in den letzten 4 Jahren (etwas über eine halbe Stunde) , die Aufnahmen vom zweiten Demo fanden nämlich auch schon im Oktober 2017 statt.

Um die vorherige Frage zu vertiefen. Wie entsteht ein Song bei Euch? Arbeitet ihr im Kollektiv oder hat einer die Hosen an und stellt seine Ideen dem Kollektiv vor?

Meistens kommt Sargulr mit einem oder mehreren Riffs in den Proberaum und wir schrauben gemeinsam ein Lied daraus. Manchmal steuere ich auch ein paar Riffs dazu bei und wenn alles stimmig ist, schreibe ich einen Text dazu oder schaue nach, ob ein bereits geschriebener dazu paßt bzw. passe ihn dem Instrumental an.

Ich schmökere gerne in einem Booklet einer Veröffentlichung. Wie wichtig sind bei euren Veröffentlichungen die Texte?

Die Texte sind für uns wichtig, aber vermutlich nicht für den Großteil der Hörer. Im Booklet vom zweiten Demo sind kurze Erläuterungen zu den Texten, bei der Kassettenversion sind sie leider nicht enthalten, da hat unser Grafiker anscheinend geschlampt oder was auch immer (werde sie aber künftig auf einem kleinen Zettel im Beiheft beifügen).

Textlich behandeln wir persönliche Visionen/Träume/Alpträume, alte Kulte, okkulte Themen, Hass sowie Geschichte. Unser Beitrag auf der letzten Pestboten-CD mit dem Titel „Duk unner“ ist z.B. ein überliefertes Gebet aus der Zeit der Sachsenkriege auf plattdeutsch, „Der Wald der Gehenkten“ handelt von der Vertreibung der Ostdeutschen, die ihre eigenen Kinder aufhingen, damit sie nicht der Roten Armee in die Hände fielen. „Fesseln der Verdichtung“ hingegen handelt von der Auflösung der physischen Existenz, um eine höhere Ebene zu erreichen und „Vakuum der Schöpfung“ von der Wiederkehr der vorschöpferischen Kräfte.

Leider kam es 2020 durch die Corona Pandemie zu zahlreichen Absagen von Konzerten. Wart ihr von Konzertabsagen durch Corona betroffen und ist Kreuziger eine Liveband oder legt ihr keinen Wert auf Konzerte?

Als Band waren wir nicht direkt betroffen; es gab schon Pläne, aber keine konkreten Termine. Auftreten wollen wir schon irgendwann, aber überstürzen müssen wir nichts. Diese um-jeden-Preis-live-spielen-Mentalität mancher Bands verstehe ich auch nicht, es muß schon alles stimmen.

Soziale Netzwerke bestimmen für viele Menschen das Leben und auch in der Musikbranche sind sie kaum noch wegzudenken. Wie wichtig sind soziale Netzwerke für euch als Band?

Nicht besonders. Facebook haben wir vor Jahren schon gelöscht. Ich habe zwar mal einen Account auf VK angelegt, aber kann mich nicht mehr einloggen, also scheiß drauf. Man kann ein paar Sachen von uns im Netz anhören, was ziemlich praktisch ist, aber das war´s dann auch.
Die Aufmerksamkeitsspanne der neuen Generation geht in Richtung Goldfisch, sie müssen alles sofort verfügbar haben, und verlieren schnell das Interesse, wenn sie nicht ständig mit neuen Impulsen zugeballert werden, mich würde es nicht wundern, wenn es auch bei TikTok schon Black Metal gäbe. Die sozialen Medien züchten Menschen heran, die vor ein paar Jahren noch als behindert oder verhaltensgestört gegolten hätten.

Ich finde die deutsche BM Szene im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, wie seht ihr das?

Absolut, es gibt mehr gute Bands, als man sich anhören kann. Zudem eine stabile Auswahl an professionellen Labels, da kann man sich echt nicht beschweren. Es ist nur schwer, da noch den Überblick zu behalten, zumal es natürlich bei der Masse an Gruppen auch viel absolut durchschnittliches und schlechtes Material gibt, aber das ist natürlich überall so. Es würde mich auch nicht stören, wenn sich die Szene etwas gesundschrumpft. Aktuell gefallen mir die Sachen von Winterfullmoon, Waffenträger Luzifers, Krematorium, Czarnobog, Burkhartsvinter, Hexenfluch, Expulsed Angel und Grabunhold gut bis sehr gut.

Manche Musiker haben so viel Kreativität, das sie nicht nur in einer Band aktiv sind und noch Nebenprojekte am Start haben. Wie schaut es mit Nebenprojekten bei Euch aus?

Ich habe vor kurzem ein Demo meines Nebenprojektes Ziegengott veröffentlicht. Da wir mit Kreuziger momentan nicht proben können, hatte ich endlich mal Zeit dafür. Es handelt sich um eine merkwürdige Mischung aus primitiven Black Metal (alt)griechischer Prägung und Goatlord, komplett ohne Gitarren, nur zwei verzerrte Bässe. Auf meinem alten Vierspurgerät aufgenommen, also mit schön rohem Klang.

Die letzten Worte gehören Euch

Vielen Dank für die Unterstützung und mach weiter so.
Lest Fanzines, sie sind das Rückgratlose unserer Szene. Kauft bei Destruktion Records. Holt Euch das neue Krematorium Album „Götterdämmerung“.

@Mjölnir / Seelenfeuer 2021

Fotos wurden durch die Band zur Verfügung gestellt

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