Rezension: Ewige Eiche – Wohl dem, der Heimat weiß (N.P., 2021)

Ein bisher noch unbeschriebenes Blatt im Schwarzmetall-Untergrund ist das westfälische Einmannprojekt Ewige Eiche, da bisher mit Ausnahme einer Promo-CD noch keine offiziellen Tonträger erschienen sind. Da dieser Name aber in letzter Zeit fortwährend durch diverse soziale Medien geisterte, wurde mein Interesse sofort geweckt. Die Munkelei wurde immer intensiver und das Raunen immer lauter, dass anscheinend alsbald mit einem ersten Tonträger zu rechnen sei. Also setzte ich mich mit Andi in Verbindung, welcher der Kopf hinter diesem Projekt ist. Mit freundlicher Genehmigung seinerseits liegt mir nun das erste demnächst erscheinende Album „Wohl dem, der Heimat weiß“ in vorerst noch digitaler Form vor. Diverse Tondokumente gab es bereits auf der eingangs erwähnten Promo-CD in physischem, sowie zwei Lieder bei Vimeo in digitalem Format vorab zu hören. Ob des Besitzes der Promo nicht gänzlich unbedarft, war ich trotzdem sehr gespannt, wie das komplette Werk klingen würde. Dieses umfasst „nur“ ganze 5 Lieder, welche es trotzdem auf eine Gesamtspielzeit von reichlich 36 min bringen.

Eingeleitet wird dieses heidnische Manifest mit „Die Gedanken sind frei.“ Der Titel kommt nicht von ungefähr, ist er doch eine Adaption eines bekannten schlesischen Volksliedes, welches von Heinrich Hoffmann von Fallersleben später bearbeitet und veröffentlicht wurde. Außerdem sehe ich es als die Aussage des Künstlers an, seine hier vertonten Gedanken frei äußern zu dürfen. Eine akustische Gitarre leitet das Stück ein, bevor es ab ungefähr der Hälfte der Spielzeit metallisch fortgesetzt wird. Auffällig hier ist bereits bei der Einleitung des Stücks die gute, raumgreifende Produktion. Auch eine Maultrommel kommt begleitend mit zum Einsatz und verleiht dem ganzen einen zusätzlich spirituellen Charakter.

Weiter geht es mit dem Titellied, welches zusammen mit „Befreiung“ bereits auf der Promo zu hören war. Eingeleitet durch schönen Damengesang und begleitendem Männerchor, wechselt das Stück ab Minute zwei zu melodischem Schwarzmetall mit sehr gut zu verstehendem und gut artikuliertem Gekeife. Immer wieder unterbrochen von ruhigen Passagen, setzt in dieser Ode an die Heimat gegen Ende hin der bezaubernde dieser als Gast fungierenden Dame nochmals ein. Wunderschön!

Das eben bereits erwähnte „Befreiung“ folgt als nächstes. Mit gedoppeltem Gesang wird auch hier wieder die alles andere als verwerfliche Liebe zur Heimat besungen. Der „Furor Teutonicus“ findet im Mittelteil eine kurze Verschnaufpause, nur um kurz danach mit wütender Intonation weitergeführt zu werden. Nicht zu überhören ist, dass hier ein Gastsänger mit am Werk ist, um den Hauptprotagonisten zu unterstützen.

„Einklang“ als Titel könnte anfangs etwas in die Irre führen, ist aber tatsächlich ein vollständiges Lied und keine Einleitung, wie der Titel ungehört suggerieren mag. Es wird mit akustischer Gitarre und kurzem untermalenden Männerchor eingeleitet, um dann im mittleren Tempo weiter voranzuschreiten. Unserer schönen Natur und dem Menschen im „Einklang“ mit und dem Dienste zu ihr, wird hier gehuldigt. Allgemein finde ich, dass der alle Lieder durchziehende Wechsel zwischen laut und leise der Dynamik des Albums sehr zuträglich ist. Das programmierte Schlagwerk stört hierbei übrigens kaum.

Abgeschlossen wird „Wohl dem, der Heimat weiß“ mit „Sturmfest“. Mit Tasten unterlegte Schlachtgeräusche am Anfang führen das Album stimmungsvoll (Tastenbegleitung) und auch heftig (schwarzmetallische Raserei) zu einem würdevollen Abschluss. In der heutigen Zeit des schnöden Mammons und des mediengefütterten Wahnsinns einer künstlichen Plastikwelt, sind Botschaften sich auf Heimat, seine Wurzeln und die Gemeinschaft als Ganzes zu berufen von immenser Wichtigkeit. Hierbei sei ein Zitat aus „Sturmfest“ hinzugezogen: „Der einzelne Zweig, ja er zerbricht. Doch ein ganzes Bündel tut es nicht.“ Dies ist ein klares Bekenntnis für Zusammenhalt und gegen Neid, Mißgunst, Gier verschiedener Art und erteilt jeglicher künstlich erzeugter Spalterei eine Absage.

Dieses im Übrigen bei Neuschwabenland demnächst veröffentliche Debüt sollte eigentlich schon letztes Jahr erscheinen, aber gut‘ Ding will schließlich Weile haben. Abschließend bleibt zu sagen, dass ich wirklich positiv überrascht bin und dieses Werk einen kompakten und musikalisch runden Eindruck hinterlässt. Ob der vermeintlich wenigen Lieder sei noch gesagt: besser 5 gute bis sehr gute Lieder mehrmals gehört, als 12 oder noch mehr Stücke, bei denen mindestens die Hälfte Füllmaterial darstellt. Ich bin mir sicher, dass dieses Album einen guten Anklang bei den Hörern finden wird. Das Potenzial für einen hoffentlich erscheinenden weiteren Tonträger ist in jedem Fall vorhanden.

Yggdrasil / Seelenfeuer 2021

Bewertung

5 / 6 Punkten

Besetzung

Andi: Gesang, Texte und Instrumente

Hörbeispiel

Titelliste

1.) Die Gedanken sind frei

2.) Wohl dem, der Heimat weiß

3.) Befreiung

4.) Einklang

5.) Sturmfest

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