Rezension: ODAL – Welten Mutter (Eisenwald Tonschmiede, 2021)

Seit nunmehr 22 Jahren existiert diese Thüringer Band oder dieses Projekt aus Thüringen, ganz wie man es sehen möchte. Benannt nach Othala, der 24. und letzten Rune im älteren Futhark, ist Odal von Beginn an das musikalische Kind des überaus umtriebigen Taaken. Zwischendurch zum Trio angewachsen, agiert die Band seit letztem Jahr nur noch zu zweit. Neben Taaken an Mikro, Gitarre, Tasten und mittlerweile auch wieder Schlagzeug, ist dessen Ehefrau A.D.D. am Bass seit 12 Jahren mit von der Partie. Dem neuen und fünften Album „Welten Mutter“ ging im Februar die EP „Leuchtend tobt der Geisterwald“ mit zwei exklusiven Liedern voraus.

Nach dem größtenteils im mittleren Tempo angesiedelten Vorgänger „Geistes Unruh“ (2016) war ich also gespannt, in welche Richtung das neue Vollalbum gehen würde. Der Start „…um Ewiges zu erschaffen“ überrollt den geneigten Hörer nicht mit Wucht, vielmehr reicht er die Hand, um diesen auf eine Reise mitzunehmen. Mittleres Tempo, virtuos-polyphone Gitarrenläufe und ein gut gespieltes Schlagzeug lassen aufhorchen. Der Gesang, welcher meiner Meinung nach bisher das Manko der Band war, da häufig so gut wie unverständlich, ist diesmal zumindest etwas weiter in den Vordergrund gemischt worden. Einige Wort- und Satzfetzen sind somit diesmal in verständlichen Bereich, wenngleich der Stimme etwas mehr Abwechslung gut täte.

„Hellwach schwelgend“ schlägt eine ähnliche Richtung ein wie das Eröffnungsstück und wird zusätzlich durch einige Blasts angereichert. Lied Nr. 3 „Schattental“ überrascht am Beginn und zum Ende hin mit dem untermalenden Einsatz einer Violine, welche von A.D.D. gespielt wird. Dieses Instrument ist so subtil gemischt, dass ich es erst beim zweiten Hördurchlauf richtig wahrgenommen habe. Ein Höhepunkt des Albums ist das folgende „Der kalten Nächte Atem“. Es fegt im rasanten Galopp durch die Nacht, so dass man den Atem des vor dem geistigen Auge erscheinenden Tieres als Dampfwolke an sich vorüber ziehen sieht. Beim Hören dieses Stücks kommen einem ältere Odal-Alben wie „Wilde Kraft“ oder „Zornes Heimat“ in den Sinn. Ausgezeichnet!

Das titelgebende „Welten Mutter“ ist episch und erhaben. Signifikant ist hierbei die Hintergrunduntermalung durch das Keyboard. Dieses hielt erstmals auf dem Vorgängerwerk Einzug in die Klangwelt von Odal und fügt dem Ganzen noch einen weiteren Farbtupfer hinzu. „Welten Geflecht“ ist ein solides Lied mit Solo in der Mitte und das abschließende „Erden Zeit“ hüllt den Zuhörer mit seiner nordischen Kälte ein und überrascht durch einen folk-ähnlichen Schlussteil mit mehrstimmigen Gitarren.

Bleibt zu konstatieren, dass Odal mit „Welten Mutter“ nach knapp fünf Jahren ein guter Nachfolger zu „Geistes Unruh“ gelungen ist, wenngleich diese Scheibe durch eine verstärkte Hinzunahme schnellerer Passagen für noch mehr Begeisterung gesorgt hätte. Auch der Gesang hätte noch etwas verständlicher sein können, auch wenn der Black Metal natürlich vorrangig von seiner erzeugten Stimmung lebt. Diese leichten Abzüge in der B-Note können aber verschmerzt werden, da das Album mit mehrmaligem Hören wächst und interessante Details offenbart. Eine Kaufempfehlung sei hiermit ausgesprochen. Erhältlich ist das neue Album diesmal neben Bandcamp ausschließlich bei Eisenwald, nachdem das letzte Album noch als Kooperation zwischen Eisenwald und dem früheren Label Christhunt erschien.

Bewertung:

5 / 6 Punkten

Yggdrasil / Seelenfeuer 2021

Hörbeispiel

Titelliste

1.) …um Ewiges zu schaffen

2.) Hellwach schwelgend

3.) Schattental

4.) Der kalten Nächte Atem

5.) Welten Mutter

6.) Welten Geflecht

7.) Erden Zeit

Erhältlich digital, als CD und Vinyl bei:

https://odal-horde.bandcamp.com/album/welten-mutter

Erhältlich als CD und Vinyl bei:

https://store.eisenton.de/de/tontraeger-c-43/cd-c-2/odal-welten-mutter-cd-p-9158

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